Risiko & Prop Simulator: So weißt du vorher, ob du die Challenge bestehst
- Alex Kaspareit
- 25. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Du investierst 1.000 Euro in eine FTMO-Challenge. Zwei Wochen später ist alles weg. Daily Loss gerissen, Max Drawdown gesprengt, Mindesthandelstage nicht zusammenbekommen. Das wirklich Bittere: Du hättest es vorher wissen können. Genau dafür haben wir den Risiko & Prop Simulator gebaut.
Warum Prop-Challenges so anspruchsvoll sind
Auf den ersten Blick wirken die Regeln einer Prop-Challenge harmlos. In Wirklichkeit musst du vier davon gleichzeitig einhalten. Nehmen wir die FTMO 2-Step Challenge in Phase 1 als Beispiel:
Du brauchst zehn Prozent Profit, also dein Profit-Target. Du darfst pro Tag nicht mehr als fünf Prozent verlieren, das ist der Daily Loss. Insgesamt darfst du nie mehr als zehn Prozent unter deinem Startkapital liegen, das ist der Max Drawdown. Und du musst mindestens vier Tage gehandelt haben, damit überhaupt gewertet wird.
Das hört sich nach einer überschaubaren Aufgabe an, ist es aber selten. Die Regeln sind genau so gebaut, dass schon ein einziger schlechter Tag dich aus dem Rennen werfen kann. Eine Strategie, die im normalen Backtest fantastisch aussieht, kann an genau dieser Daily-Loss-Grenze trotzdem regelmäßig scheitern. Dazu kommen je nach Prop-Firma weitere, oft weniger bekannte Regeln. Keine Over-Night-Trades außerhalb des Swing-Modells, kein Trading rund um wichtige News, bestimmte Handelsstrategien komplett verboten. Wer hier nicht sauber liest, fliegt manchmal raus, ohne überhaupt zu wissen warum.
Was der Risiko & Prop Simulator macht
Der Risiko & Prop Simulator ist ein neues Tool in unserem Kaspareit-Trading Terminal. Er beantwortet genau die Frage, ob deine Strategie eine Challenge schaffen kann. Der Weg dorthin ist denkbar einfach:
1. Backtest im MetaTrader 5 laufen lassen. Deine Strategie oder dein EA über den gewünschten Zeitraum im Strategy Tester laufen lassen.
2. Bericht als XLSX exportieren. Rechtsklick auf den Backtest-Tab, "Bericht speichern" wählen, im XLSX-Format speichern.
3. Datei im Tool hochladen. Im Customer Terminal über den Button "MT5-XLSX hinzufügen" die Datei einlesen. Funktioniert übrigens auch mit dem Jahresbericht eines Live-Kontos, und du kannst mehrere Berichte zu einem kombinierten Portfolio zusammenwerfen.
Danach wählst du deine Prop-Firma (FTMO, FundedNext, The5%ers, The Trading Pit oder TegasFX), das passende Programm und die Phase. Heraus kommen drei Reiter mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf deine Strategie.
Reiter 1: Die Pass-Rate
Die Pass-Rate ist die Zahl, die dich am meisten interessieren wird. Das Tool nimmt deine echten Trades und mischt sie zehntausend Mal in zufälliger Reihenfolge durch. Bei jeder einzelnen dieser zehntausend Simulationen prüft es, ob die Regeln deiner Prop-Firma eingehalten worden wären. Das Ergebnis ist eine Quote, zum Beispiel viertausend von zehntausend Resamples haben bestanden, also vierzig Prozent Pass-Rate.
Warum das so wichtig ist: Deine reale Trade-Reihenfolge ist nur eine von unendlich vielen, die hätte stattfinden können. Wenn deine Strategie nur in dieser einen Reihenfolge funktioniert hat, die du zufällig erlebt hast, dann hattest du einfach Glück. Eine Pass-Rate von neunzig Prozent bedeutet dagegen, dass deine Strategie auch in neun von zehn möglichen Welten bestanden hätte. Das ist robust.
Equity-Fan-Chart und Verletzungs-Statistik
Visuell siehst du das im sogenannten Equity-Fan-Chart. Er zeigt die Bandbreite aller möglichen Verläufe, vom schlechtesten bis zum besten Pfad, mit dem Median in der Mitte. Die gestrichelte gelbe Linie ist dein echter historischer Verlauf.
Das eigentlich Wertvollste sitzt darunter: die Verletzungs-Statistik. Sie zeigt dir, warum die Strategie in den nicht bestandenen Resamples gescheitert ist. Bricht meistens der Daily Loss, ist deine Strategie zu volatil für die Tagesgrenzen. Bricht meistens der Max Drawdown, verliert sie insgesamt zu viel. Wird am häufigsten kein Target erreicht, ist sie zu defensiv. Das ist eine ehrliche Diagnose, wo du nachschärfen müsstest.
Die zwei wichtigen Hebel: Risikostufe und Phase-Länge
Über den Lot-Skalar kannst du testen, was passiert, wenn du mit halber oder doppelter Positionsgröße handelst. Kleinere Lots reduzieren das Daily-Loss-Risiko, brauchen aber länger zum Target. Das ist der wichtigste Hebel zwischen Sicherheit und Geschwindigkeit. Konkret an Portfolio S bei einer Phase-Länge von 180 Tagen:

Mehr Risiko bedeutet also nicht automatisch eine höhere Pass-Rate, im Gegenteil. Eine zu hoch gewählte Risikostufe lässt die Pass-Rate massiv einbrechen. Wo der Sweet Spot für deine Strategie liegt, findest du nur, indem du die Stufen einmal komplett durchspielst.
Der zweite Hebel ist die Phase-Länge. Viele Prop-Firmen haben heute kein hartes Zeitlimit mehr, aber du musst eine bewusste Annahme treffen, über welchen Zeitraum du die Wahrscheinlichkeit berechnen lassen willst. Je länger die Phase, desto mehr Chancen hat deine Strategie, das Target zu erreichen, desto mehr Tage gibt es aber auch, an denen der Daily Loss reißen kann. Bei Portfolio L auf Risikostufe 2:

Auffällig: Zwischen 180 und 365 Tagen ändert sich kaum noch etwas. Mehr Zeit bringt also nicht zwangsläufig mehr. Mit längerer Phase kommt auch mehr Daily-Loss-Risiko dazu, das frisst die zusätzliche Chance wieder auf. Wir nennen das den Sättigungspunkt der Strategie.
Reiter 2: Strategy Health
Hier geht es nicht mehr darum, ob deine Strategie die Challenge besteht, sondern ob sie überhaupt eine gesunde Strategie ist. Denk an die Werte wie an einen Gesundheits-Check für deine Strategie.
Der Sharpe Ratio zeigt, wie ruhig deine Gewinne wachsen. Ein Wert über 1,5 gilt als stark. Der Profitfaktor sagt dir, wie viel Geld deine Strategie pro verlorenem Euro insgesamt verdient hat. Ein Wert von 1,5 bedeutet, dass auf jeden verlorenen Euro 1,50 Gewinn kommen. Der Calmar setzt deine Jahresrendite ins Verhältnis zum schlimmsten Drawdown. Ein Wert über zwei bedeutet, dass deine Erholung schneller läuft als der Einbruch. Und der Ulcer Index misst nicht nur, wie tief ein Drawdown war, sondern auch wie lange er gedauert hat. Eine Strategie, die nach drei Wochen wieder auf neuen Hochs steht, ist deutlich erträglicher als eine, die ein halbes Jahr im Minus klebt.
Ganz am Ende des Reiters steht der Risk of Ruin. Das Tool simuliert fünftausend mögliche Jahresverläufe deiner Strategie und zählt, in wie vielen davon der Drawdown eine kritische Schwelle reißt. Bleibt der Wert unter fünf Prozent, ist Ruin praktisch unwahrscheinlich. Liegt er über zwanzig Prozent, ist das ein realistisches Szenario, das du ernst nehmen solltest.
Der entscheidende Punkt: Eine Strategie kann eine Challenge bestehen und trotzdem ungesund sein. Das ist häufiger der Fall, als die meisten denken. Deshalb gehört Strategy Health zwingend zum Workflow.
Reiter 3: Der Stress-Test
Der Stress-Test unterscheidet sich grundlegend von dem, was die Pass-Rate macht. Dort wurden nur deine echten Trades neu sortiert, also nur Szenarien gezeigt, die irgendwo in deinen Daten schon einmal vorkamen. Aber was ist, wenn der Markt in der Zukunft Dinge macht, die er in deiner Historie nie gemacht hat?
Genau dafür gibt es den Stress-Test. Das Tool baut künstliche Märkte, die du noch nie erlebt hast, mit plötzlichen Crashtagen, Volatilitäts-Clustern und Regime-Wechseln zwischen ruhigen und stürmischen Phasen. Du kannst das alles selbst feintunen oder eines der vier Presets nehmen: Mild für ruhige Bullenjahre, Realistisch für den normalen Marktrhythmus, Hart für Jahre wie 2018 oder 2022, und ganz extrem das 2008-Preset, das die Finanzkrise modelliert.
Der Workflow ist klar: Du stellst zuerst auf Realistisch und schaust, wie hoch die Ruin-Rate ist. Bleibt sie unter zehn Prozent, ist deine Strategie für normale Marktbedingungen robust. Dann stellst du auf 2008. Bleibt die Ruin-Rate auch dort unter dreißig Prozent, hast du eine wirklich widerstandsfähige Strategie. Das ist der Stempel, den du haben willst, bevor du dein Geld in eine Prop-Challenge oder ein echtes Konto steckst.
Konkret an unseren Portfolios
Wir simulieren beide Portfolios auf 252 Tage Dauer, also ein volles Handelsjahr. Unter dem Realistisch-Preset liefern Portfolio S und Portfolio L beide eine Ruin-Rate von 0 Prozent, sind also für normale Marktbedingungen sehr stabil. Unter dem 2008-Preset klettert die Ruin-Rate bei Portfolio S auf 51,4 Prozent und bei Portfolio L auf 48,6 Prozent.
⚠ Realitätscheck: 252 Tage 2008 sind kein realistisches Szenario
Wir simulieren hier ein komplettes Jahr unter Finanzkrisen-Bedingungen. Selbst 2008 lief nur ein paar Monate auf maximaler Intensität. Wenn du die Simulationsdauer auf realistische 60 oder 90 Tage runterstellst, also auf die typische Dauer einer echten Krise, sieht das Bild deutlich entspannter aus. Der 2008-Preset zeigt dir die Schmerzgrenze, nicht den Erwartungswert.
Was das Tool nicht kann
Eine Sache muss ehrlich gesagt werden. Auch der beste Simulator kann keine Zukunft vorhersagen. Und wenn deine Strategie schon im Backtest mit einem Profitfaktor unter eins läuft, kann auch das beste Tool daraus keinen Gewinner machen. Eine niedrige Pass-Rate liegt fast immer an der Strategie selbst, nicht am Simulator. Das Tool ist Diagnose, nicht Therapie.
Unser empfohlener Workflow
Die Reihenfolge, in der wir das Tool selbst nutzen:
1. Pass-Rate. Erste Filterfrage: Hat deine Strategie überhaupt eine realistische Chance, die Challenge zu bestehen? Variiere Risikostufe und Phase-Länge.
2. Strategy Health. Zweite Filterfrage: Ist deine Strategie auch in sich gesund? Sharpe, Profitfaktor, Calmar, Ulcer und Risk of Ruin geben die Antwort.
3. Stress-Test. Dritte Filterfrage: Wie verhält sich deine Strategie unter Bedingungen, die in deiner Historie nie vorkamen? Erst Realistisch, dann 2008.
So bekommst du Schritt für Schritt eine echte Diagnose deiner Strategie. Und du fängst nicht mit dem schwersten Test an, sondern mit der naheliegendsten Frage.
Den Risiko & Prop Simulator selbst nutzen
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Hypothetische Backtestergebnisse. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. CFDs sind komplexe Instrumente und bergen ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. 75 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel. Überlege sorgfältig, ob du die Funktionsweise von CFDs verstehst und ob du es dir leisten kannst, das hohe Risiko einzugehen. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.